Vier Apple-Ingenieure bauen eine Kamera, die durch Wände schaut
Das Team hat den ersten iPhone-Touchscreen und das Nest-Thermostat mitgebaut. Jetzt zeigen sie 87 Sekunden Video und einen Satz, der nach Science-Fiction klingt. Ist er aber nicht.

In einem Satz
Ein Team aus vier Leuten, die zusammen über 250 Patente halten, hat ein flaches Gerät gebaut, das Funkwellen in eine Wand schickt, deren Echos einsammelt und daraus in Echtzeit ein Bild von Rohren, Kabeln und Balken rechnet. Der Trick dahinter steht in jedem Physikbuch der Mittelstufe.
Am 30. Juli 2026 stellt eine bis dahin unbekannte Firma ein Video ins Netz. 87 Sekunden lang, keine Bühne, kein Publikum, kein Applaus. Ein Mann in Jeanshemd steht in einer Werkstatt und sagt: Wir sind Applied Electrodynamics. Wir bauen eine Kamera, die durch Wände sehen kann. Dann fügt er hinzu, was jeder gerade denkt: Ja, du hast richtig gehört.
Man kann so etwas belächeln. Man kann aber auch nachsehen, wer da spricht. Und dann wird es interessant.
01Wer da eigentlich spricht
Der Sprecher heißt Bilgehan Avser, promovierter Elektrotechniker. Bei Apple hat er über mehrere iPhone-Generationen die Antennenentwicklung geleitet. Sein Spezialgebiet: Ultrabreitband und die Millimeterwellen, mit denen der schnelle 5G-Mobilfunk arbeitet. Wer das mehrere Jahre in einem Gerät macht, das in Hosentaschen weltweit funktionieren muss, kennt Funkwellen nicht aus dem Lehrbuch.
Neben ihm stehen drei weitere Gründer. Brian Huppi steht als Erfinder auf dem Apple-Patent für den Multitouch-Bildschirm, jene Erfindung, die das Wischen auf Glas erst möglich gemacht hat. Später hat er am Nest-Thermostat mitgebaut. Paul Leutheuser hat unter anderem den Home-Button entwickelt, der sich wie ein Knopf anfühlt, obwohl sich dort nichts bewegt. George McLean ist angewandter Physiker vom MIT und aus Berkeley und kommt aus der Halbleiter-Bildgebung und der Medizintechnik.
Das Produkt heißt WaveSight. Im Video hält Avser es in beiden Händen: ein flaches, schwarzes Gerät in der Größe eines kleinen Tablets, vorne eine runde Öffnung. Man hält es an die Wand, und auf dem Bildschirm erscheint, was dahinter liegt.
02Der Trick: dein Auge sieht eine einzige Oktave
Und jetzt kommt der Teil, der mich an diesem Video wirklich begeistert hat. Statt mit Fachbegriffen um sich zu werfen, legt das Team gezeichnete Lehrtafeln auf einen Tisch und blättert sie durch, wie man das früher mit dem Tageslichtprojektor gemacht hat. Die erste Tafel zeigt Tiere.
Das ist der Einstieg, und er sitzt. Jedes dieser Tiere nimmt einen anderen Ausschnitt der Welt wahr. Keines davon ist im Unrecht. Sie schauen nur unterschiedlich hin.
Die nächste Tafel wird konkret. Sie zeigt das elektromagnetische Spektrum, also die ganze Familie, zu der sichtbares Licht gehört: Radiowellen, Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht, UV, Röntgen, Gammastrahlung. Alles dasselbe Phänomen, alles dieselbe Geschwindigkeit. Der einzige Unterschied ist, wie lang die Welle ist.
Jetzt rechnen wir kurz gemeinsam, es ist wirklich nur eine Zeile. Für jede Welle gilt:
Lichtgeschwindigkeit = Wellenlänge mal Frequenz. In Kurzform: c = λ · f. Weil c für alle elektromagnetischen Wellen gleich ist, heißt das: Wird die Welle länger, sinkt die Frequenz. Wird sie kürzer, steigt die Frequenz. Mehr braucht man für diesen Artikel nicht.
Sichtbares Licht geht von etwa 380 bis 750 Nanometern. Das ist nicht einmal eine Verdopplung der Wellenlänge. In der Musik nennt man eine Verdopplung eine Oktave. Unser Auge deckt also ziemlich genau eine einzige Oktave ab.
Und wie groß ist das ganze Spektrum? Von den langen Radiowellen, die Kilometer messen, bis zur Gammastrahlung, die im Billionstel Millimeter liegt: das sind mehr als fünfzig Oktaven.
Stell dir ein Klavier vor mit über fünfzig Oktaven. Ein Instrument, das quer durch einen Konzertsaal reicht. Dein Auge hört davon genau eine Oktave, irgendwo in der Mitte. Alles andere ist da, es schwingt, es trägt Information. Wir sind nur nicht dafür gebaut.
Die Balken sind gleichmäßig gezeichnet, damit alle Namen lesbar bleiben. In Wirklichkeit ist der Abstand zwischen den Enden noch weit größer, als eine Zeichnung darstellen kann.
Und genau hier setzt WaveSight an. Avser sagt im Video den entscheidenden Satz: Bei diesen Frequenzen wird Licht an den Oberflächen von Gegenständen reflektiert. Aber wenn wir mit der Frequenz heruntergehen, weit herunter, beginnen die Wellen, durch diese Oberflächen hindurchzugehen und an inneren Strukturen zu reflektieren.
03Warum Funk durch die Wand kommt und Licht nicht
Jetzt die Frage, die eigentlich jeder schon einmal hatte, ohne sie zu stellen: Warum kommt eigentlich das WLAN durch die Zimmerwand, aber das Licht der Nachbarlampe nicht?
Denk an die Party in der Nachbarwohnung. Durch die Wand hörst du den Bass. Nie das Hi-Hat, nie die Stimme, nur das Wummern. Ein Basston bei 50 Hertz hat eine Wellenlänge von rund sieben Metern. Ein Beckenschlag bei 10 Kilohertz kommt auf drei Zentimeter. Die lange Welle nimmt die Wand kaum wahr, die kurze bleibt an ihr hängen.
Bei elektromagnetischen Wellen ist es genauso, und der Grund dafür ist schöner, als man denkt. Eine Wand aus Gipskarton ist nämlich nicht wirklich undurchsichtig. Sie ist ein wildes Gewusel aus winzigen Körnern, Poren und Fasern. Für sichtbares Licht mit seinen 500 Nanometern Wellenlänge ist jedes dieser Körnchen ein riesiges Hindernis. Das Licht wird tausendfach hin und her gestreut und findet nie auf die andere Seite. Nicht weil die Wand es schluckt, sondern weil sie es in die Irre führt.
Für eine Welle von fünf Millimetern Länge sieht dieselbe Wand vollkommen anders aus. Diese Welle ist zehntausendmal länger als die Körnchen. Sie bemerkt sie schlicht nicht mehr. Die Wand wird für sie glatt und gleichmäßig, und sie läuft hindurch.
Milchglas ist undurchsichtig, obwohl Glas durchsichtig ist. Es streut das Licht, es schluckt es nicht. Oder am Strand: Kleine Kräuselwellen brechen sich an jedem Pfahl. Die lange Dünung läuft einfach darüber hinweg, als stünde da nichts.
Und was macht dann das Bild?
Wenn die Welle einfach durch alles hindurchginge, sähe man ebenfalls nichts. Ein Bild entsteht erst durch Unterschiede. Und die gibt es in einer Wand reichlich.
- Gips, Holz, Dämmung, Ziegel: lassen die Welle weitgehend durch. Sie sind der Hintergrund.
- Grenzflächen zwischen zwei Materialien: werfen einen kleinen Teil der Welle zurück. So entsteht die Kontur der Wand selbst.
- Metall, also Kupferrohre, Kabel, Armierungseisen: reflektieren fast vollständig. Sie leuchten im Funkbild hell auf.
- Wasser, also volle Leitungen oder auch ein Mensch: schluckt die Welle stark. Es erscheint dunkel.
Ein Kupferrohr hinter Gipskarton ist für eine Funkwelle also so auffällig wie ein Spiegel in einem Nebelfeld. Genau davon lebt das ganze Verfahren.
Das Bild entsteht nicht dadurch, dass die Welle durchkommt, sondern dadurch, dass sie an manchen Stellen eben nicht durchkommt.
Die Party-Analogie stimmt im Ergebnis, nicht in der Ursache. Beim Schall geht es um die Masse und die Trägheit der Wand, bei Funkwellen um Streuung und um frei bewegliche Ladungsträger im Material. Deshalb ist Metall für Funk eine undurchdringliche Mauer, während der Bass durch eine Blechtür problemlos durchkommt. Das gemeinsame Muster bleibt trotzdem: lange Wellen durchdringen, kurze Wellen bleiben an der Oberfläche.
04Vom Echo zum Bild: Zeit ist Entfernung
Bleibt die spannendste Frage. Wie wird aus einem Echo ein Bild?
Über die Zeit. Funkwellen und Licht sind gleich schnell, und diese Geschwindigkeit ist die bequemste Zahl der ganzen Physik: rund 30 Zentimeter in einer Milliardstel Sekunde. Eine Nanosekunde, ein Fuß, ungefähr. Wenn du also misst, wann ein Echo zurückkommt, weißt du automatisch, wie weit das Ding entfernt ist, das es geworfen hat.
Ein Kupferrohr liegt 12 Zentimeter tief in der Wand. Die Welle muss hin und wieder zurück, also 24 Zentimeter. Bei 30 Zentimetern pro Nanosekunde kommt das Echo nach 0,8 Milliardstel Sekunden an. Im Material ist die Welle etwas langsamer als in Luft, die Größenordnung bleibt aber genau diese. Das ist der Grund, warum diese Technik so lange Speziallaboren vorbehalten war: Man braucht Elektronik, die Zeitunterschiede in dieser Größenordnung sauber auseinanderhält.
Ein einziger Messpunkt liefert schon eine ganze Tiefenlinie. Was fehlt, ist die Breite.
Von der Linie zum Bild
Eine einzelne Antenne liefert nur diese eine Linie in die Tiefe. Für ein Bild braucht man viele davon, nebeneinander. Jede Antenne sieht dasselbe Rohr aus einem leicht anderen Blickwinkel und mit einer leicht anderen Laufzeit. Ein Rechner legt all diese Messungen übereinander und sucht die Stellen, an denen sie sich einig sind. Dort sitzt das Objekt.
Das Ergebnis nennt sich Punktwolke: eine dreidimensionale Ansammlung von Punkten im Raum, an denen etwas reflektiert hat. Wer schon einmal ein 3D-Scan-Ergebnis gesehen hat, kennt das Bild.
Dasselbe Grundprinzip steckt in der Computertomografie und im Ultraschall: viele Messungen aus verschiedenen Richtungen ergeben zusammen ein Volumen.
Warum kommt das erst jetzt? Avser nennt im Video zwei Gründe, und beide leuchten sofort ein. Erstens sind Funkchips durch Mobilfunk und Satellitentechnik in den letzten zehn Jahren billig und gut geworden. Zweitens gibt es inzwischen Grafikchips, die viel rechnen und dabei wenig Strom brauchen. Beides zusammen bedeutet: Die Rechnerei, für die man früher einen Messwagen brauchte, passt heute in ein Gehäuse, das man in einer Hand hält. Nichts davon musste neu erfunden werden. Es musste jemand zusammensetzen.
Falls hier jemand mitliest, der das gerade an der Tafel stehen hat: Dieser ganze Artikel benutzt genau drei Dinge aus dem Unterricht. Das elektromagnetische Spektrum und die Beziehung c = λ · f stehen in der Mittelstufe auf dem Plan, meist rund um Klasse 9 und 10. Dazu die Reflexion an Grenzflächen. In der Oberstufe kommt dasselbe Thema als elektromagnetische Schwingung und als Hertzscher Dipol wieder, dann mit Interferenz und der Frage, wie man mit mehreren Sendern gezielt eine Richtung bevorzugt.
Zum Selberprüfen, ohne Labor: Schau dir das Metallgitter in der Tür deiner Mikrowelle an. Du siehst dein Essen, das Licht kommt also durch die Löcher. Die Mikrowellen kommen nicht durch, obwohl die Löcher offen sind. Der Grund steht in der Formel: Ein Mikrowellenherd arbeitet bei 2,45 Gigahertz, das sind gut 12 Zentimeter Wellenlänge. Gegen ein Loch von zwei Millimetern ist diese Welle so groß, dass sie es gar nicht als Loch wahrnimmt. Für Licht mit seinen 500 Nanometern ist dasselbe Loch ein Scheunentor. Eine Tür, zwei völlig verschiedene Wahrheiten, und das nur wegen der Wellenlänge.
05Neu oder nicht? Eine ehrliche Einordnung
Durch Wände schauen ist keine Erfindung von 2026. Wer im Baumarkt steht, findet Geräte, die genau das seit Jahren tun. Bosch verkauft Wandscanner, die mit Ultrabreitband-Radar arbeiten und Rohre und Kabel bis etwa 20 Zentimeter Tiefe finden. Der Walabot macht Ähnliches für den Heimwerkerbereich. Und jeder Flughafen-Körperscanner ist im Kern eine Millimeterwellen-Kamera.
Der Unterschied liegt nicht im Prinzip. Er liegt in dem, was hinten herauskommt.
| Gerät | Prinzip | Was du siehst | Wo |
|---|---|---|---|
| Bosch Wandscanner | Ultrabreitband-Radar | Balken und Piepton, Tiefe als Zahl | in der Hand |
| Walabot | Radar mit Handy als Bildschirm | grobe Umrisse, Position von Balken und Rohren | in der Hand |
| Flughafenscanner | Millimeterwellen | Bild einer Person, Auffälligkeiten markiert | feste Schleuse |
| Wärmebildkamera | Infrarot | Temperaturunterschiede an der Oberfläche | in der Hand |
| WaveSight | Funkwellen, laut Firma millimetergenau | Bild in Echtzeit, dreidimensionale Punktwolke | in der Hand |
Der Sprung ist der vom Anzeiger zum Bild. Ein Piepton sagt dir, dass da etwas ist. Ein Bild sagt dir, was es ist, wie es verläuft und wo es abbiegt. Wer schon einmal in eine Wand gebohrt hat, in der laut Gerät nichts war, versteht sofort, welcher Unterschied das ist.
Die Firma nennt keine Betriebsfrequenz. Man kann sie aber ungefähr erschließen, und zwar aus der Formel von oben. Wie feine Details eine Welle auflösen kann, hängt an ihrer Wellenlänge: Details, die viel kleiner sind als die Welle, verschwimmen. Wer Millimeter auflösen will, braucht also Wellen im Millimeterbereich. Fünf Millimeter Wellenlänge entsprechen 60 Gigahertz. Das ist genau die Ecke, in der auch der schnelle 5G-Mobilfunk und die Flughafenscanner arbeiten, und exakt das Fachgebiet, das im Lebenslauf des Firmenchefs steht. Das passt zusammen.
Es zeigt auch die Grenze der Technik: Tiefer in der Frequenz heißt besser durch die Wand, aber gröber im Bild. Höher heißt schärfer, aber weniger Eindringtiefe. Zwischen diesen beiden Wünschen muss sich jedes solche Gerät entscheiden.
06Was man damit tatsächlich sieht
Der beste Teil des Videos kommt am Ende, denn dort zeigt die Firma Bilder und schreibt darunter: echte Aufnahmen, auf dem Gerät entstanden. Zwei Paare davon erklären besser als jeder Prospekt, worum es geht.
Auf der Firmenseite stehen dazu drei Anwendungsfelder. Auf dem Bau geht es um die Frage, was hinter einer Wand liegt, bevor jemand hineinschlägt. Die Firma nennt Milliardenbeträge, die jährlich für vermeidbare Nacharbeit draufgehen. In der Fertigung geht es darum, ein fertig montiertes Bauteil zu prüfen, ohne es wieder zu öffnen. Und in der Sicherheit um Taschen und Pakete, auch dort, wo keine feste Schleuse steht.
07Und jetzt die Frage, die ich eigentlich stellen wollte
1966 hält ein Schauspieler in einer Fernsehserie ein Kästchen in der Hand, richtet es auf etwas und weiß Sekunden später, woraus es besteht und was ihm fehlt. Das Ding heißt Tricorder, und es ist seither eines der beharrlichsten Versprechen der Technikgeschichte. So beharrlich, dass die XPRIZE-Stiftung ab 2012 einen Wettbewerb dazu ausschrieb. 2017 gewann ein Team um den Notarzt Basil Harris mit einem Gerät namens DxtER 2,6 Millionen Dollar. Es funktionierte, es wurde nur nie das, was in der Serie zu sehen war.
Warum eigentlich nicht? Weil der Tricorder kein Sensor ist, sondern eine Bündelung. Ein Gerät, das mit mehreren physikalischen Verfahren gleichzeitig in Dinge hineinschaut und die Ergebnisse zusammenrechnet. Jedes einzelne dieser Verfahren gibt es längst. Zusammengebaut waren sie nie.
Und hier wird es spannend, wenn man die letzten Wochen nebeneinanderlegt.
Vor wenigen Wochen hat Midjourney, eine Firma, die man für KI-Bilder kennt, einen Ganzkörper-Scanner vorgestellt. Rund 358.000 winzige Schallwandler, jeder gleichzeitig Lautsprecher und Mikrofon, senden Ultraschall in den Körper und lauschen auf das Echo. Ein Rechner macht daraus ein dreidimensionales Bild. Wir haben das in einem eigenen Beitrag ausführlich auseinandergenommen.
Jetzt zeigt Applied Electrodynamics ein Handgerät, das Funkwellen in eine Wand schickt und aus dem Echo ein dreidimensionales Bild rechnet.
Zwei Firmen, die nichts miteinander zu tun haben. Zwei völlig verschiedene Wellenarten. Und exakt derselbe Satz darunter: Welle rein, Echo raus, Rechner macht daraus ein Bild.
Der Tricorder war nie ein einzelner Sensor. Er war die Idee, mehrere Verfahren in einem Gerät zu bündeln. Genau diese Bausteine entstehen gerade, nur eben getrennt und in verschiedenen Firmen.
Nein, WaveSight ist kein Tricorder. Es misst keine Blutwerte, es stellt keine Diagnose, es sagt dir nicht, aus welchem Material etwas besteht. Wer das behauptet, verkauft etwas.
Aber die Antwort auf die Frage in der Überschrift ist trotzdem ein vorsichtiges Ja. Nicht weil ein Gerät alles kann. Sondern weil gerade die Teile entstehen, aus denen so etwas gebaut würde. Ein Verfahren, das durch Materie hindurchschaut. Rechenleistung, die klein und sparsam genug ist, um mitzulaufen. Und Firmen, die es normal finden, so etwas in ein Gehäuse für die Hand zu packen statt in einen Laborraum.
Die interessante Frage ist nicht mehr, ob jemand ein Handgerät baut, das in Dinge hineinschaut. Das ist gerade passiert. Die interessante Frage ist, wer als Erstes zwei oder drei solcher Verfahren in dasselbe Gehäuse packt.
08Was noch offen ist
So sehr mich das begeistert: Bisher gibt es ein Video, eine Webseite und eine Vorbestell-Schaltfläche. Das ist wenig, und es lohnt sich, das im Kopf zu behalten.
| Frage | Stand | Beleg |
|---|---|---|
| Gibt es das Gerät? | Ja, im Video in der Hand, mit Bildern, die laut Firma damit entstanden | belegt |
| Was kostet es? | Nicht genannt, es gibt nur eine Vorbestellung ohne Preis | offen |
| Wann kommt es? | Kein Datum, kein Zeitraum | offen |
| Wie genau ist millimetergenau? | Firmenangabe, ohne Messbedingungen, ohne Angabe zur Tiefe | offen |
| Hat das jemand unabhängig geprüft? | Bisher nicht öffentlich | offen |
Ein Gerät, das durch Wände schaut, schaut auch in Wohnungen. Die Firma zeigt Rohre, Kabel und Gepäck, und das sind auch die Anwendungen, für die man so etwas kauft. Aber die Physik unterscheidet nicht zwischen einer Steigleitung und einem Menschen im Nebenzimmer. Dass diese Technik gerade klein und bezahlbar wird, ist die gute und die unbequeme Nachricht in einem Satz. Beides gehört zur Ankündigung dazu.
09Fazit
Was mir an dieser Ankündigung so gut gefällt, ist nicht der Superlativ. Es ist, dass sie ihre eigene Erklärung mitliefert und dabei nichts versteckt. Vier Leute, die wissen, wie man Antennen in Serie baut, nehmen etwas, das jede Zehntklässlerin im Prinzip versteht, und machen daraus ein Gerät, das man in die Werkzeugkiste legen kann.
Und es ist eine schöne Erinnerung an etwas, das im Alltag leicht untergeht: Die Welt endet nicht dort, wo unser Auge aufhört. Sie geht einfach weiter, in Wellenlängen, für die wir nie Sinnesorgane bekommen haben. Ein Hai spürt elektrische Felder, eine Fledermaus hört Räume, eine Schlange sieht Wärme. Wir bauen uns die fehlenden Sinne eben dazu.
Ob WaveSight hält, was die 87 Sekunden versprechen, wird sich zeigen, sobald jemand außerhalb der Firma es in der Hand hatte. Bis dahin gilt: Die Physik dahinter stimmt, sie ist nachvollziehbar, und sie steht in jedem Schulbuch. Manchmal ist das Erstaunlichste an einer Zukunftstechnik, wie wenig neu daran erfunden werden musste.