Technologie verständlich erklärt

Weich, auf Rädern, faltet Wäsche: Weave zeigt seinen Heim-Roboter Isaac

Ein salbeigrüner Roboter macht Betten, faltet Decken und räumt Spielzeug weg, alles in einem 77 Sekunden langen Film ohne ein einziges gesprochenes Wort. Was steckt hinter dem Heim-Humanoiden Isaac, wie funktioniert er, was kostet er, und wie viel davon macht er wirklich allein? Eine Einordnung, die zwischen dem sortiert, was belegt ist, und dem, was Werbung bleibt.

08.07.2026 ca. 12 Min. Lesezeit
Weich, auf Rädern, faltet Wäsche: Weave zeigt seinen Heim-Roboter Isaac

In einem Satz

Das Startup Weave Robotics aus San Francisco zeigt in einem wortlosen Film seinen mobilen Heim-Roboter Isaac 1, der Wäsche faltet, Betten macht und aufräumt. Statt auf Beinen rollt er auf einer fahrbaren Basis, statt harter Panzerung trägt er ein weiches Stoffgehäuse, und statt einer Fünf-Finger-Hand nutzt er einfache Zwei-Finger-Greifer. Er soll ab Herbst 2026 in Kalifornien ausgeliefert werden und ab 449 Dollar im Monat oder 7.999 Dollar am Stück kosten. Der ehrliche Haken: Wie viel Isaac wirklich allein schafft und wie oft ein Mensch aus der Ferne nachhilft, sagt die Firma bewusst nicht.

Es gibt eine ganze Reihe von Firmen, die gerade menschenähnliche Roboter fürs Wohnzimmer versprechen, und die meisten davon zeigen bislang vor allem Bühnen-Demos: Roboter, die tanzen, salutieren oder auf einer Messe eine Flasche Wasser reichen. Weave Robotics geht demonstrativ den anderen Weg. Der 77 Sekunden lange Film, um den es hier geht, verkauft nicht mit Worten, sondern mit Alltag: ein Roboter, der in echten Wohnungen die immer gleiche, langweilige Hausarbeit erledigt. Kein Sprecher, keine technischen Behauptungen, nur Bilder und ein klassisches Musikstück.

Was der Film zeigt

Die Bildsprache ist bewusst unspektakulär und genau das ist die Botschaft. Isaac rollt durch eine bewohnte Wohnung, kein Labor, kein Studio, und macht der Reihe nach das, was sich zu Hause stapelt: Er greift eine zerknautschte Decke vom Sofa und legt sie ordentlich über die Lehne, zieht die Bettdecke glatt und richtet die Kissen, sammelt Spielzeug aus einem Kinderzimmer in einen Korb, hebt Kleidung aus einem Wäschekorb und faltet sie zu sauberen Stapeln.

Isaac beugt seinen Oberkörper über eine Couch und greift mit beiden Armen eine Decke, um sie zu ordnen
Standbild aus dem Film: Isaac ordnet eine Decke auf dem Sofa. Der Oberkörper kann sich weit nach vorn beugen, beide Arme arbeiten zusammen.

Weave fasst diese Aufgaben in zwei Schlagworte, die auf der Produktseite stehen: Laundry Flow (alles rund um Wäsche: einsammeln, aus dem Korb arbeiten, falten, wegräumen) und Daily Reset (die Wohnung in ihren Normalzustand zurückversetzen: Betten machen, Kissen richten, Spielzeug und Kleinkram zurück an ihren Platz). Der Film illustriert genau diese beiden Kategorien, ohne sie zu benennen.

Isaacs Greifer hebt bunte Kleidung aus einem Wäschekorb, im Vordergrund die runde Öffnung einer Waschmaschine
Wäsche aus dem Korb arbeiten
Isaac legt in einem Kinderzimmer mit Spielzeugregalen Dinge in einen weißen Korb
Spielzeug aufräumen (Daily Reset)
Isaac zieht am Fußende eines frisch bezogenen Bettes die weiße Bettdecke glatt
Bett machen und glatt ziehen
Ein kleines Detail zur Musik

Der Film ist mit Edward Elgars "Pomp and Circumstance" unterlegt, jenem feierlichen Marsch, der im englischsprachigen Raum traditionell bei Abschlussfeiern läuft. Ausgerechnet die Hymne des Erwachsenwerdens für einen Roboter, der Wäsche zusammenlegt, das ist ein augenzwinkernder Kommentar zur eigenen Reife. Laut Abspann handelt es sich um eine frei lizenzierte Einspielung (Das Orchester Tsumugi, CC BY 4.0).

Wer ist Isaac (und warum es zwei gibt)

Hinter dem Roboter steht Weave Robotics, ein sehr junges und sehr kleines Unternehmen aus San Francisco. Gegründet wurde es 2024, buchstäblich aus dem Wohnzimmer der beiden Gründer heraus, und ging durch den bekannten Start-up-Accelerator Y Combinator. Das Team umfasst nur rund ein Dutzend Menschen. Die beiden Gründer kommen von Apple: Evan Wineland (CEO) arbeitete dort als KI-Produktmanager unter anderem an der nächsten Siri-Generation, Kaan Doğrusöz (CTO) leitete Forschung im Bereich maschinelles Lernen für Robotik. Kennengelernt haben sie sich um 2015 an der Carnegie Mellon University, einer der führenden Robotik-Hochschulen.

Erst verstehen: Isaac ist nicht gleich Isaac

Weave hat zwei Produkte, die leicht zu verwechseln sind. Isaac 0 ist ein stationärer Roboter, der nur an einem festen Platz Wäsche faltet, und er wird bereits an erste Kunden ausgeliefert. Isaac 1 ist der mobile Roboter aus diesem Film, der durch die ganze Wohnung fährt und deutlich mehr können soll. Isaac 1 ist neu und noch nicht ausgeliefert. Viele belastbare technische Zahlen (etwa zur Beweglichkeit der Arme) stammen bislang vom älteren Isaac 0 und lassen sich nur eingeschränkt auf Isaac 1 übertragen.

Diese Reihenfolge, erst ein einfacher Falt-Roboter, dann der mobile Alleskönner, ist Absicht. Weaves erklärtes Motto lautet sinngemäß "ausliefern, bevor man Demos zeigt". Der stationäre Isaac 0 hat nach Firmenangaben bereits über 2.000 Stunden in echten Haushalten gearbeitet und faltet dort pro Woche mehr als 450 Kilogramm Wäsche. Das ist deutlich mehr handfeste Praxis, als die meisten Humanoiden-Start-ups vorweisen können, die oft nur Studioclips zeigen.

2024
gegründet, aus dem Wohnzimmer heraus, danach Y Combinator
~12
Mitarbeitende, ein sehr kleines Team
2.000+ h
Praxiseinsatz des Vorgängers Isaac 0 in echten Haushalten
"It doesn't walk or dance. It reaches. It folds."

Das Design entschlüsselt

Isaac sieht anders aus als die glänzenden Metall-Humanoiden, die man aus Tesla- oder Figure-Videos kennt, und jede dieser Design-Entscheidungen hat einen praktischen Grund. Vier Bausteine lohnen den genauen Blick.

1. Das weiche Stoffgehäuse: Sicherheit durch Bauweise

Isaacs gesamter Körper steckt in einer weichen, filzartigen Stoffhülle in einem Farbton, den Weave "Sage" (Salbeigrün) nennt. Das ist kein reines Möbel-Design. Ein Roboter, der sich in einem Haushalt voller Menschen, Kinder und Haustiere bewegt, kann jemanden anstoßen. Ein weiches, nachgiebiges Gehäuse dämpft solche Stöße von sich aus, noch bevor irgendeine Software eingreifen müsste. Der Fachausdruck dafür ist passive Sicherheit: Schutz, der schon aus der Konstruktion entsteht und nicht erst aus Sensoren und Programmierung. Die Stoffhüllen sind laut Weave zudem abnehmbar, also im Prinzip waschbar oder austauschbar.

Die Alltags-Analogie

Man kann sich den Unterschied wie zwischen einem Fahrradhelm aus hartem Kunststoff und einer dick gepolsterten Winterjacke vorstellen. Beide schützen, aber wenn man in der Küche versehentlich dagegenläuft, ist die gepolsterte Variante die harmlosere. Genau diese Logik überträgt Weave auf den ganzen Roboter.

2. Die Augen sind Kameras: das Gesicht als Sehsystem

Nahaufnahme von Isaacs cremefarbenem Gesicht mit zwei dunklen Augen, in denen deutlich Kamera-Linsen zu erkennen sind
Nahaufnahme aus dem Film. Was wie zwei freundliche Augen aussieht, sind in Wahrheit die Kameras des Roboters. Sein Sehsystem ist als Gesicht getarnt, das macht ihn sympathischer und funktional zugleich.

Der Kopf trägt ein schlichtes, an den Trickfilm-Roboter Baymax erinnerndes Gesicht mit zwei großen Augen. Diese Augen sind nicht nur Deko: In ihnen sitzen die Kameras, mit denen Isaac seine Umgebung sieht. Das Sehsystem ist also im Gesicht versteckt. Laut Weave öffnet der Roboter seine Augen sichtbar, wenn er aktiv ist, ein bewusstes Signal an die Menschen im Raum, ob er gerade "hinschaut". Für den Datenschutz gibt es dazu physische Blenden (Shutter), die die Kameras mechanisch abdecken können. Anders als eine reine Software-Abschaltung ist so mit bloßem Auge erkennbar, dass die Kamera wirklich zu ist.

3. Räder statt Beine: der "mobile Manipulator"

Bodennahe Aufnahme von Isaacs fahrbarer Basis: eine flache, mit Stoff bezogene Radplattform mit schwarzem Sensorfenster, aus der eine grüne Säule aufragt
Standbild aus dem Film: die fahrbare Basis. Aus der niedrigen Radplattform mit dem schwarzen Sensorfenster ragt eine Säule auf, die den Oberkörper trägt. Links im Hintergrund steht die dazugehörige Ladestation.

Der vielleicht wichtigste Unterschied zu anderen Humanoiden: Isaac hat keine Beine. Sein Oberkörper sitzt auf einer fahrbaren Radbasis mit einer teleskopierbaren Säule. Fachleute nennen so eine Kombination einen mobilen Manipulator, also eine Maschine, die sich fortbewegen (mobil) und zugleich Dinge greifen und handhaben (manipulieren) kann. Die Säule fährt bei Bedarf auf ungefähr Menschenhöhe aus (Presseangaben nennen rund 1,75 Meter) und klappt in Ruhe auf etwa 0,90 Meter zusammen. So kommt Isaac an eine hohe Kommode ebenso wie tief in einen Wäschekorb.

Animation: Isaacs fahrbare Basis rollt über den Holzboden einer Küche
In Bewegung: Statt zu laufen, rollt Isaac auf seiner Radbasis durch die Wohnung.

Der Verzicht auf Beine ist ein bewusster Kompromiss. Zweibeinige Roboter können stürzen, sind teuer und rechnerisch aufwendig, allein um das Gleichgewicht zu halten. Eine Radbasis ist von sich aus stabil, günstiger und sicherer. Der Preis dafür ist offensichtlich und ehrlicherweise auch eine echte Einschränkung: Isaac kann keine Treppen steigen. In einem mehrstöckigen Haus bleibt er auf einer Etage.

4. Zwei-Finger-Greifer statt Menschenhand

Isaac beugt sich über einen Hocker und faltet mit seinem Greifer ein weißes Kleidungsstück, deutlich sichtbar die orangefarbenen Greifelemente
Standbild aus dem Film: Isaac faltet Wäsche. Am Ende der Arme sitzt keine anthropomorphe Hand, sondern ein vereinfachter Greifer mit orangefarbenen Griffelementen.

Am Ende jedes Arms sitzt keine Hand mit fünf Fingern, sondern ein einfacher Greifer mit orangefarbenen Spitzen. Das Werkzeug am Armende heißt im Fachjargon Endeffektor. Weave setzt bewusst auf einen simplen Zwei-Finger-Greifer statt auf eine komplizierte Roboterhand, weil einfache Greifer robuster, günstiger und leichter zuverlässig zu steuern sind. Der Nachteil: Sehr feine oder komplexe Griffe, für die man einzelne Finger bräuchte, sind damit kaum möglich. Für das Falten von Textilien reicht ein guter Zwei-Finger-Griff jedoch erstaunlich weit. Beide Arme arbeiten dabei zusammen, was man bimanuelle Manipulation nennt, das beidhändige Hantieren, etwa um eine Decke gleichzeitig an zwei Ecken zu fassen.

Grafik 1: Räder statt Beine: der bewusste Kompromiss
Laufende Humanoide Isaac: Radbasis Tesla Optimus, Figure, 1X Neo, Apptronik Apollo kann Treppen, aber teuer + sturzgefährdet stabil, günstiger, sicherer dafür: keine Treppen

Fast alle bekannten Heim-Humanoiden laufen auf zwei Beinen. Weave verzichtet bewusst darauf und tauscht die Fähigkeit, Treppen zu steigen, gegen Stabilität, niedrigeren Preis und weniger Sturzrisiko.

Wie lernt so ein Roboter?

Einen Raum zu durchqueren ist für Maschinen längst gelöst. Ein zerknülltes T-Shirt zu erkennen, zu greifen und ordentlich zu falten dagegen war jahrzehntelang extrem schwer, weil Stoff keine feste Form hat und sich bei jeder Berührung anders verhält. Der Durchbruch der letzten Jahre kommt aus einer neuen Art von KI-Modellen.

Isaac wird von sogenannten VLA-Modellen gesteuert. Die Abkürzung steht für Vision-Language-Action, also Sehen, Sprache, Handlung. Vereinfacht ist das eine KI, die ein Kamerabild sieht, eine Aufgabe in Alltagssprache versteht ("räum die Wäsche weg") und daraus direkt die passenden Bewegungen der Arme erzeugt, ohne dass ein Mensch jede einzelne Bewegung vorprogrammiert. Es ist dieselbe Grundidee wie bei den großen Sprachmodellen hinter Chatbots, nur dass am Ende keine Wörter, sondern Motorbefehle herauskommen.

Der Partner im Hintergrund

Weave baut diese KI nicht komplett allein. Als Grundlage dient ein Foundation Model (ein großes, breit vortrainiertes Basismodell) der spezialisierten Firma Physical Intelligence, deren sogenannte π-Modelle ("Pi") auf Roboter-Bewegung ausgelegt sind. Weave passt dieses Basismodell mit eigenen Daten an die konkreten Haushaltsaufgaben an. Das ist der gleiche Ansatz, mit dem heute fast alle KI-Produkte gebaut werden: ein fremdes Fundament nehmen und es auf den eigenen Zweck feinschleifen.

Trainiert wird nicht nur im Labor, sondern mit echten Einsatzdaten aus Kundenhaushalten. Nach Zahlen von Physical Intelligence senkt Weaves eigenes Datenmaterial die Zahl der misslungenen Greifversuche um rund 42 Prozent und die nötigen menschlichen Eingriffe um etwa 50 Prozent pro Wäscheladung. Der Roboter lernt also messbar dazu, je mehr er im Einsatz ist. Diese Idee, dass jeder reale Einsatz neue Trainingsdaten liefert, die das nächste Modell besser machen, nennt man ein Datenschwungrad.

−42 %
weniger misslungene Greifversuche durch Weaves eigene Trainingsdaten
−50 %
weniger nötige menschliche Eingriffe pro Wäscheladung
π-Modell
KI-Fundament von Physical Intelligence als Basis

Der wunde Punkt: Autonomie und Teleoperation

Jetzt zur entscheidenden Frage, die über Hype und Realität bei allen Heim-Robotern entscheidet: Macht das Ding die Arbeit wirklich selbst? Weaves eigene Formulierung für Isaac 1 ist sorgfältig gewählt. Sinngemäß heißt es, der Roboter sei "standardmäßig autonom für Laundry Flow und Daily Reset, mit Teleoperations-Unterstützung, wenn nötig, um die Erledigung der Aufgabe zu garantieren".

Teleoperation, oft kurz "Teleop", bedeutet: Ein Mensch steuert den Roboter aus der Ferne, über den Kamera-Feed, wenn die KI nicht weiterkommt. Beim Vorgänger Isaac 0 hat Weave das offen beschrieben: Für Standardfälle arbeitet der Roboter allein, aber bei schwierigen Textilien schaltet sich ein Weave-Spezialist aus der Ferne dazu und übernimmt für eine kurze Korrektur von etwa 5 bis 10 Sekunden. Jede dieser Korrekturen fließt anschließend ins wöchentliche Neu-Training zurück, das ist das Datenschwungrad aus dem vorigen Abschnitt in Aktion.

"Suspiciously absent: a rough idea of what percentage of tasks need the assistance."

Und hier liegt der Kern der Sache: Weave nennt an keiner Stelle den Prozentsatz, wie viel Isaac tatsächlich autonom schafft und wie oft ein Mensch eingreifen muss. Die Formulierung klingt nach "autonom", die Realität ist präziser beschrieben als "autonom mit menschlichem Sicherheitsnetz". Dass die Firma stolz eine Halbierung der Eingriffe meldet, heißt im Umkehrschluss auch: Eingriffe kommen weiterhin regelmäßig vor. Das ist kein Skandal, sondern 2026 schlicht der Stand der Technik bei Heim-Robotern. Es ist nur wichtig, es zu wissen, bevor man sich einen "autonomen" Helfer vorstellt.

Grafik 2: Autonomie mit Sicherheitsnetz
1. Isaac arbeitet autonom (die meiste Zeit) 2. Roboter hängt fest Weave-Spezialist greift 5 bis 10 Sek. per Ferne ein 3. Korrektur wird gespeichert und fließt ins wöchentliche Neu-Training ... macht Isaac beim nächsten Mal ein Stück selbstständiger

Das Modell ist bewusst kein Entweder-oder. Menschliche Ferneingriffe sind zugleich das Sicherheitsnetz für den Kunden und der Rohstoff, aus dem die nächste, autonomere Modellversion entsteht.

Technische Daten, Preis und Verfügbarkeit

Weave gibt für Isaac 1 auffällig wenige harte Zahlen heraus. Die folgende Tabelle trennt daher sauber, was belegt ist, was nur vom Vorgänger Isaac 0 bekannt ist und was schlicht nicht veröffentlicht wurde. Diese Ehrlichkeit gehört zur Sache dazu, denn bei einem noch nicht ausgelieferten Produkt ist "nicht angegeben" eine wichtige Information.

MerkmalAngabeStatus
Höheca. 0,90 m eingefahren bis ca. 1,75 m ausgefahren (teleskopierbar)Presse
Fortbewegungmotorisierte Radbasis, passiv stabil, keine Treppenbelegt
Armezwei Arme, Zwei-Finger-Greifer; Isaac 0: je Arm 6 Bewegungsachsen, Hals 4nur Isaac 0
Kameras / SensorenKopfkameras mit physischen Blenden; optische und Ultraschall-Sensoren; kein LiDAR bestätigtteils belegt
Rechenleistung / KI-Chipnicht veröffentlichtoffen
Gewicht / Traglastnicht veröffentlichtoffen
Akkuangeblich ca. 8 h Laufzeit, 2 h Laden (unbestätigte Sekundärquelle)unbestätigt
Ladenfeste Ladestation mit Sichtschutzbelegt
Updatesdrahtlos per Funk (OTA), Steuerung per Smartphone-Appbelegt

Beim Preis ist Weave dagegen konkret. Isaac 1 kostet 449 Dollar im Monat im Abo oder 7.999 Dollar als Einmalkauf. Für die Vorbestellung wird eine voll erstattbare Anzahlung von 250 Dollar fällig. Die ersten Auslieferungen sind für Herbst 2026 geplant, zunächst nur in Kalifornien, danach schrittweise im Rest der USA bis 2027. Für Europa gibt es bisher keine Ankündigung. Zum Vergleich: Der stationäre Isaac 0 ist inzwischen ab 249 Dollar im Monat zu haben, war zum Start aber mit 9.999 Dollar deutlich teurer angesetzt, der Preis wurde also bereits gesenkt.

Kursierende Falschzahl

In manchen älteren Artikeln geistert für Weaves Roboter ein Preis von "59.000 Dollar" herum. Diese Zahl stammt aus einer frühen Fehlschätzung und widerspricht allen aktuellen offiziellen Angaben. Der belegte Preis für Isaac 1 ist 7.999 Dollar beziehungsweise 449 Dollar im Monat.

Einordnung: Isaac gegen die anderen

Fast alle bekannten Heim- und Universal-Humanoiden setzen auf zwei Beine: Teslas Optimus, die Figure-Roboter, Apptroniks Apollo und der 1X Neo. Isaac fällt mit seiner Radbasis bewusst aus dieser Reihe. Der praktisch nächste Verwandte ist der 1X Neo, ebenfalls ein Roboter fürs Zuhause, der aber auf zwei Beinen läuft, teurer ist (rund 20.000 Dollar) und in der Frühphase ebenfalls stark auf menschliche Teleoperation setzt. Optimus und Figure sind für Privatkunden bislang gar nicht käuflich.

MerkmalIsaac 1 (Weave)Typischer Heim-Humanoid (z. B. 1X Neo)
FortbewegungRäder (fahrbare Basis)zwei Beine (läuft)
Treppenneinprinzipiell möglich
Gehäuseweicher Stoff (passive Sicherheit)meist harte Schale
Preis7.999 $ / 449 $ im Monatca. 20.000 $ / ~499 $ im Monat
Autonomieautonom mit Teleop-Hilfeautonom mit Teleop-Hilfe
Für PrivatkundenVorbestellungteils Vorbestellung

Isaacs Alleinstellungsmerkmale sind also die Kombination aus fahrbarer Basis, weichem Gehäuse und einem im Vergleich niedrigen Preis, plus die Tatsache, dass mit Isaac 0 bereits ein Produkt bei echten Kunden läuft. Die starke Abhängigkeit von Teleoperation dagegen ist kein Alleinstellungsmerkmal, sondern teilt sich Isaac mit praktisch der gesamten Branche.

Namens-Verwirrung am Rande

"Isaac" heißt auch die bekannte Robotik-Software-Plattform von Nvidia. Zwischen Weaves Roboter und Nvidias Isaac besteht kein Zusammenhang, es ist reine Namensgleichheit.

Realitäts-Check: was belegt ist, was offen bleibt

Weave hebt sich positiv dadurch ab, dass mit Isaac 0 tatsächlich ein Roboter im Feld arbeitet, statt nur Videos zu produzieren. Trotzdem lohnt bei einem Werbefilm für ein noch nicht ausgeliefertes Produkt der nüchterne Blick.

Animation: Isaac bewegt am Sofa beide Arme, um eine Decke zu ordnen
Genau beim Falten und Ordnen von Textilien wird es für Roboter am schwersten, und genau hier schneidet der Film auffällig oft.
Die nüchtern betrachteten Punkte

Der Autonomiegrad ist die große Leerstelle. Weder für Isaac 0 noch für Isaac 1 nennt Weave, welcher Anteil der Arbeit wirklich ohne menschlichen Ferneingriff gelingt. "Autonom" im Marketing heißt hier "autonom mit Sicherheitsnetz".

Ein weiterer offener Punkt sind die schlichten Grenzen der Bauart: keine Treppen, eine durch die Höhe begrenzte Reichweite, ein Zwei-Finger-Greifer, der bei feinen Griffen an Grenzen stößt, und die noch unbeantwortete Frage, wie sicher so ein Gerät im Alltag mit Kleinkindern und Haustieren wirklich ist. Auch die schlichte Rechnung, ob sich ein Roboter für 7.999 Dollar gegenüber einer Reinigungshilfe oder einem Wäscheservice lohnt, muss jeder Haushalt selbst anstellen.

Fazit

Isaac ist eine erfrischend unaufgeregte Antwort auf die Frage, wie ein Roboter im Zuhause aussehen sollte. Statt eines glänzenden zweibeinigen Alleskönners, der auf der Bühne salutiert, zeigt Weave ein weiches, rollendes, bewusst begrenztes Gerät, das eine einzige langweilige Sache gut können will: die immer gleiche Hausarbeit. Jede Design-Entscheidung, vom Stoffgehäuse über die Kamera-Augen bis zur Radbasis, folgt einer nachvollziehbaren Logik aus Sicherheit, Kosten und Zuverlässigkeit.

Gleichzeitig verkauft der schöne, wortlose Film ein Versprechen, dessen wichtigste Kennzahl fehlt: wie selbstständig Isaac wirklich ist. Dass Weave mit Isaac 0 bereits liefert und ehrlich von Teleoperation spricht, spricht für die Firma. Dass sie den entscheidenden Autonomie-Anteil verschweigt, mahnt zur Vorsicht. Ob aus dem sympathischen grünen Helfer der erste massentaugliche Haushaltsroboter wird oder ein teures Frühkäufer-Experiment, entscheiden die nächsten Auslieferungen ab Herbst 2026, unabhängige Tests und die Zahlen, die Weave bisher für sich behält.

Quellen

  1. Weave Robotics: Isaac 1 (offizielle Produktseite)weaverobotics.com, Fähigkeiten, Preis, Verfügbarkeit
  2. Weave Robotics: Isaac 0 (offizielle Produktseite)weaverobotics.com, Vorgänger, Einsatzzahlen
  3. Weave Robotics: About / Storyweaverobotics.com, Gründung und Motto
  4. Physical Intelligence: The Physical Intelligence Layer (π-Modelle, Weave-Ergebnisse)pi.website, KI-Grundlage und Metriken
  5. New Atlas: Weave Robotics' Isaac 1 folds clothes & tidies roomsnewatlas.com, Höhe, Preis, Kameras
  6. New Atlas: This robot can fold your laundry, but not without a helping handnewatlas.com, Teleoperation
  7. TechRadar: Maybe robots don't need legs or fingers to do laundrytechradar.com, Einordnung Bauform
  8. Humanoids Daily: Weave Unveils Isaac 1humanoidsdaily.com, Vorstellung
  9. Humanoids Daily: Isaac 0, a $9,999 Stationary Bethumanoidsdaily.com, Bewegungsachsen, Teleop-Detail
  10. A3 / Automate.org (Brian Heater): Weave Robotics eyes delivery date for Isaacautomate.org, Team, Vorbesteller
  11. Y Combinator: Weave Robotics (S24)ycombinator.com, Firmenprofil
  12. Hacker News: Diskussion zu Isaac 1 (Teleop-, Datenschutz-, Demo-Kritik)news.ycombinator.com, kritische Stimmen